Into the Water – Hawkins

Into the Water – Hawkins

Bei manchen Autoren kann man einfach nicht anders, hat man einmal ein Buch von ihnen gelesen, muss man alle anderen auch lesen. Leider heißt das nicht immer automatisch, dass die folgenden Bücher genauso begeistern wie das allererste Buch. Diese kleine Einleitung beschreibt die Gefühle, die ich nach dem Beenden von Into the Water hatte, relativ gut. Dabei ist Into the Water von Paula Hawkins absolut kein schlechtes Buch, es ist halt meinem Empfinden nach einfach nicht so gut wie Girl on the Train. Und warum ich das finde, werde ich euch im Anschluss erklären, aber erstmal der Klappentext, damit ihr auch ungefähr wisst, worum es denn geht:

»Julia, ich bin’s. Du musst mich anrufen. Bitte, Julia. Es ist wichtig …« In den letzten Tagen vor ihrem Tod rief Nel Abbott ihre Schwester an. Julia nahm nicht ab, ignorierte den Hilferuf. Jetzt ist Nel tot. Sie sei gesprungen, heißt es. Julia kehrt nach Beckford zurück, um sich um ihre Nichte zu kümmern. Doch sie hat Angst. Angst vor diesem Ort, an den sie niemals zurückkehren wollte. Vor lang begrabenen Erinnerungen, vor dem alten Haus am Fluss, vor der Gewissheit, dass Nel niemals gesprungen wäre. Und am meisten fürchtet Julia das Wasser und den Ort, den sie Drowning Pool nennen. (Klappentext, Blanvalet Verlag)

An sich, klingt das ja nach einer wirklich tollen Geschichte und mindestens genauso fesselnd, wie Girl on the Train. Und das war es irgendwo auch, aber irgendwie auch nicht. Versteht mich nicht falsch, Into the Water ist eine sehr schön konstruierte Geschichte, die einen von Anfang an fasziniert, verblüfft und auf jede Menge falsche Fährten führt. Auf formeller Ebene hat Hawkins also definitiv alles richtig gemacht, denn auch das Erzähltempo und die Struktur an sich funktionieren sehr gut. Irgendwo hat mir persönlich aber dieser Funke, diese Verbindung zu den Charakteren gefehlt. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden. In Girl on the Train geb es zwar auch den ein oder anderen Perspektivenwechsel, der Großteil der Geschichte wurde jedoch aus Rachels Perspektive erzählt, wenn ich mich recht erinnere. Und für mich hat dieser ständige Perspektivenwechsel hier einfach nicht funktioniert, zumal ich ihn am Anfang einfach nur als verwirrend und irritierend empfunden habe.

Das ist in gewisser Weise mein größter, aber auch mein einziger Kritikpunkt. Nur leider ist das für mich etwas so Zentrales, dass es sich eben durch das gesamte Buch zieht. Die Charaktere selbst sind äußerst abwechslungsreich und funktionieren gut miteinander, es ist also niemals langweilig. Aber man lernt keinen der Charaktere wirklich intensiv und ganz genau kennen, vor allem, wenn man wieder den Vergleich zu Girl on the Train zieht, was wirklich schade ist. Denn vor allem in diesem Genre ist der Blick in den Kopf der Charaktere unheimlich wichtig. Ein Blick, den Hawkins meisterhaft hin bekommt, nur gibt es in Into the Water zu viele verschiedene Charaktere im Fokus.

Es mag durchaus sein, dass mich Into the Water nur deshalb nicht vollends begeistert, weil ich eben den Vergleich zu Girl on the Train ziehe. Das mag den Büchern gegenüber nicht unbedingt fair sein, es ist aber nun mal so. Ich würde trotzdem jeden ermutigen, sich selbst ein Bild davon zu machen, denn Into the Water ist und bleibt ein mehr als solider Thriller, der es immer wieder schafft, einen komplett zu überraschen. Eine Leseempfehlung kann ich also auf jeden Fall aussprechen, da ich immer noch ein Paula Hawkins Fan bin und mir auch ihr nächstes Buch bestimmt wieder zu Gemüte führen werde.

 

Ein Gedanke zu „Into the Water – Hawkins

  1. Ich finde, Du hast die Besonderheit dieses Buches sehr gut auf den Punkt gebracht. Viele verschiedene Erzählperspektiven, keine allzu tiefe Bindung zu einem einzigen Protagonisten, denn viele erheben ihre Stimme. Ich fand auch, dass sich die Autorin lange Zeit keine Mühe gab, ihre Personen vernünftig vorzustellen und einen neugierig auf sie zu machen. Es hat echt gedauert, bis ich mit dem Buch warm wurde.
    Aber dann hat mir genau diese Besonderheit doch gut gefallen, denn ich fand die Umsetzung wirklich gut gemacht und sie hat auch – zumindest in der zweiten Hälfte, als ich mich damit angefreundet hatte – meinen Geschmack getroffen.
    Schade, dass bei Dir der Funke nicht komplett übergesprungen ist, aber durchaus verständlich und am Ende eben doch Geschmackssache.
    LG Gabi

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