[#WritingFriday] Unverhofft kommt oft

[#WritingFriday] Unverhofft kommt oft

Guten Morgen, meine Lieben!

Auch diese Woche neigt sich schon wieder dem Ende zu und am Start eines jeden Wochenendes steht Elizzys Writing Friday! Für heute habe ich mir eine ganz besondere Schreibaufgabe ausgesucht:

  • Du findest auf der Strasse ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht, plötzlich fängt es an mit dir zu sprechen. Schreibe das Gespräch auf.

***

„Hey! Pass doch mal ein bisschen auf!“ Ich hielt überrascht inne und schaute mich um. Woher kam diese Stimme? Es war noch nicht mal sechs Uhr, ich war komplett alleine in der schmalen Straße und doch war ich mir sicher, gerade eine Stimme gehört zu haben. Bestimmt sogar. Ich hatte eben das alte, zerlesene Buch aufgehoben. Immortal Poems of the English Language hieß es und dem Zustand nach zu urteilen, hatte es schon mindestens dreißig Jahre auf den Buckel. Auf jeden Fall hat es mich angelacht. Ich bin zwar nur ein sporadischer Gedichteleser, doch bei solch einem glücklichen Zufall kann man fast nicht nein sagen. Also hob ich den alten Schmöker auf und war gerade dabei, ihn hin meine Handtasche zu stopfen, als ich diese seltsame Stimme hörte.

Ich blickte mich erneut um. Nachwievor war ich mutterseelenallein auf der Straße. Ich musste es mir nur eingebildet haben. Ich zuckte mit den Schultern und verfrachtete das Buch mit einem finalen Schubser in meine Tasche. „Sag mal! Das hätte man ruhig auch etwas vorsichtiger machen können. Also wirklich. Eine Frechheit ist das!“ Da. Schon wieder diese Stimme. Diesmal war ich mir sicher. Ich war mir sicher, dass die Stimme aus meiner Handtasche kam. Doch wie war das möglich?

Langsam zog ich das Buch wieder aus der Tasche und hielt es vorsichtig hoch. „Bilde ich mir das nur ein, oder hast du gerade mit mir gesprochen?“ „Siehst du sonst noch jemanden, der es gewesen sein könnte, Missy?“ Missy? Wurde ich gerade ernsthaft von einem sprechenden Buch beleidigt? „Moooooment, bevor wir hier persönlich werden, wie machst du das? Wie kann es sein, dass du sprechen kannst? Das ist doch gar nicht möglich!“ „Natürlich ist das möglich, siehst du doch!“ „Aber wie ist das möglich? Wie?“

Hätte ich einen Menschen gegenüber, würde ich den Geräuschen nach schwören, dass er gerade genervt die Augen verdreht hat. Also dieses Buch hat wirklich Nerven! „Hör mal, du alter Schmöker, kein Grund mich dermaßen von oben herab zu behandeln, nur weil ich noch nie zuvor ein sprechendes Buch gesehen habe! Und eins sag ich dir, wenn du nicht bald mal einen freundlicheren Tonfall anschlägst, landest du direkt in der nächsten Pfütze!“ Das Grummeln war nicht nur hörbar, sondern direkt spürbar. Diesmal hatte ich offenbar den richtigen Ton getroffen. „Sachte, sachte! Kein Grund so aus dem Umschlag zu fahren! Ich weiß doch selber nicht, warum ich sprechen kann und die anderen Bücher nicht. Und selbst wenn ich wüsste, wo sprechende Bücher herkommen oder hingehen, ist es nicht gerade so, als könnte ich mich schnell mal mit dem nächsten Bus dorthin begeben.“

Da mir das ein durchaus berechtigter Einwand erschien, wählte ich meine nächste Frage mit bedacht: „Wenn das so ist, möchtest du dann überhaupt mit mir mitkommen? Meine persönliche Bibliothek ist zwar alles andere als riesig, aber sie besteht aus vielen meiner Herzensbücher, mit denen ich jede Menge schöne Erinnerungen verbinde und die ich stets gut und respektvoll behandle. Ich weiß, dass es nicht viel ist und ich bin mir ziemlich sicher, dass keine sprechenden Bücher darunter sind, aber es wäre zumindest ein Anfang. Es wäre ein Zuhause.“

Stille.

Und dann, ganz sanft, leise und offenbar gerührt: „Es würde mich sehr freuen, mit dir nach Hause kommen zu dürfen.“ Stille. „Danke.“ Ich lächelte. „Nichts zu danken. Bücher hatten schon immer einen festen Platz in meinem Herzen und ich wüsste nicht, warum das dich ausschließen sollte.“ Ich zögerte einen Moment, traute mich aber dann doch: „Hast du denn einen Namen?“ Auch diesmal konnte ich die Reaktion spüren. Es fühlte sich warm an. Ich glaube, es war ein Lächeln. „Ich heiße Isabella.“

***

 Aktuelle Teilnehmer (ihr könnt jederzeit mit einsteigen!):

3 Gedanken zu „[#WritingFriday] Unverhofft kommt oft

  1. Hi Smarty!

    Das Buch gefällt mir! 😀 Vor allem der Spruch „Kein Grund, so aus dem Umschlag zu fahren“ hat mich richtig zum Lachen gebracht – herrlich! 😀 Hätten wir nicht alle gerne mal ein sprechendes Buch? Obwohl, so eine Bibliothek voll sprechender Bücher… das ist dann doch ein ganz schönes Gequassel. 😀

    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende,
    Ida

  2. Hallo Smarty,

    ach, was für eine süße Geschichte. Obwohl das Buch am Anfang ziemlich vorlaut war, hat es doch ein gutes Ende genommen. Ich finde die Schreibaufgaben von Elizzy immer sehr toll. Ich habe letzte Woche das selbe Thema genommen und es auf Emma Escamillas Blog veröffentlicht.

    Liebste Grüße
    Myna

    PS: Bei mir läuft gerade noch ein Gewinnspiel. Vielleicht magst du ja mitmachen? https://myna-kaltschnee.com/2018/06/20/myna-fragt-alena-coal-gewinnspiel/

  3. Hey Smarty,

    ich habe deinen aktuellen Beitrag zum #WritingFriday gesucht und festgestellt, dass ich diesen hier noch gar nicht gelsen habe!
    Welch Schande, denn er ist dir richtig gelungen! Ich hatte Spaß mit dem Geplänkel der Beiden. 🙂 Mir gefällt auch (und es passt auch sehr gut zu deiner Geschichte), dass man quasi nichts über das Buch erfährt und selbst das Buch nicht weiß, warum es so ist wie es ist.
    Meinen BEITRAG zum sprechenden Buch hatte ich auch letzte Woche. Hier gibt es am Ende eine moralische Frage, der sich meine Protagonistin stellen muss.

    Heute ist es das Weltgeschehen, das mich etwas erdrückt und in den Beitrag über Weltall oder Zukunft HIER eingeflossen ist. Freue mich auf deinen Besuch.

    GlG und ein schönes Wochenende,
    monerl

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