Der Vorleser – Schlink

Der Vorleser – Schlink

Der Vorleser ist eine Geschichte, die ich schon lange kenne, bisher allerdings nur durch den Film, weshalb ich auch bestimmte Erwartungen an das Buch von Bernhard Schlink hatte. Nach der Lektüre kann ich jetzt schon mal verraten, dass die Verfilmung äußerst gelungen ist und meine Erwartungen durchaus erfüllt wurden. Mit dem Vorwissen waren bestimmte Tatbestände während des Lesens wirklich offensichtlich und irgendwo frage ich mich, ob man sie ohne auch so deutlich erkannt hätte. Falls ihr das Buch gelesen habt, bevor ihr den Film gesehen habt, lasst mich in den Kommentaren wissen, ob ihr die Hinweise auf Hannas Geheimnis auch so deutlich erkannt habt.

Auf dem Nachhauseweg gerät der fünfzehnjährige Michael Berg in eine heikle Situation. Eine Frau, Mitte dreißig, kümmert sich um ihn. Später kommt der Junge mit einem Blumenstrauß, um sich zu bedanken. Und er kommt wieder. Hanna ist die erste Frau, die er begehrt. Eine heimliche Liebe beginnt. Doch es ist etwas Düsteres, Reizbares um Hanna. Seine Fragen, wer sie war und ist, weist sie schroff zurück. Eines Tages ist sie verschwunden. Aus Michaels Leben, nicht aus seinem Gedächtnis. Als Jurastudent sieht er Hanna im Gerichtssaal wieder. (Klappentext, Diogenes Verlag)

Was für eine Geschichte. Da ich eben den Film schon kannte, hat mich der Inhalt an sich nicht überrascht, die Form allerdings schon. Denn erzählt wird nicht in einem langen Fließtext, sondern in kurzen Abschnitten, zwischen denen sich Ort oder Situation oftmals ändern. Außerdem wird aus der Ich-Perspektive erzählt, was es wirklich zu einer sehr persönlichen Geschichte macht. Dadurch erfährt man auch sehr viel, über Michaels Eindrücke und Gedanken, was die Geschichte sehr lebendig und irgendwo nur noch tragischer macht.

Den Schreibstil selbst empfand ich persönlich als recht angenehm, wobei ich mich an die Erzählperspektive erstmal gewöhnen musste. Auch das Erzähltempo hat Schlink gut gewählt, da es zwar manchmal ein klein wenig zu langsam, aber alles in allem durchaus passend ist. Eine gewisse Spannung ist ebenfalls von Anfang an spürbar, wobei sich die Geschichte, zusammen mit dem Spannungsbogen, in eine unerwartete Richtung verändert. Der wahre Kern der Geschichte kommt nämlich erst im Gerichtssaal ans Licht und alles davor fungiert meiner Ansicht nach als äußerst gelungener Aufbau für den Prozess.

Der Vorleser ist am Ende ein Buch, dass ich auf jeden Fall empfehlen kann und das ich mir als Lehrerin auch gut im Klassenzimmer vorstellen kann. Es ist eine bewegende Geschichte, welche die tragische Geschichte einer Frau erzählt. Und solltet ihr bisher nur den Film kennen, kann ich das Buch genauso empfehlen, wie ich denen, die bisher nur das Buch kennen, den Film empfehlen kann.

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