Atonement – McEwan

Atonement – McEwan

Manche Bücher finden auf höchst interessanten Wegen ihren Weg in das eigene Bücherregal. Bei mir ist Atonement von Ian McEwan eine solches Buch – es wurde mir empfohlen, weil Pride and Prejudice mein Lieblingsbuch ist. Und ich habe es gekauft. Ohne mir den Klappentext jemals durchgelesen zu haben. Die Assoziation mit Pride and Prejudice, sowie Keira Knightley und James McAvoy am Cover haben mir gereicht. Das Buch kam, ich hab es ins Regal gestellt und komplett aus den Augen verloren. Hätte ich mal den Klappentext gelesen, dann hätte das Buch wohl nicht über zwei Jahre lang in meinem Regal warten müssen, so viel sei schon mal verraten.

Und darum geht es: Briony Tallis hat eine sehr lebhafte Fantasie und mit dieser lebhaften Fantasie stellt sie das Leben ihrer Familie komplett auf den Kopf. Es ist 1935 und Briony sieht etwas, dass sie komplett falsch interpretiert. Ihre Anschuldigungen haben verheerende Auswirkungen und sie wird für den Rest ihres Lebens dafür büßen.

Well, I did not expect that. Aufgrund der Assoziation mit Pride and Prejudice hätte ich gelinde gesagt keine Ahnung, was auf mich zukommen sollte. Versteht mich nicht falsch, beide Bücher sind auf ihre eigene Weise echt genial, aber eine tiefere Verbindung als das, konnte ich persönlich nicht finden. Außerdem möchte ich Atonement hier auch nicht mit Pride and Prejudice vergleichen, da man die zwei einfach nicht vergleichen kann und beide Werke durchwegs eigenständig sind.

Was mir wirklich gut gefallen hat, sind der Schreibstil und die verschiedenen Erzählperspektiven. Der Schreibstil ist flüssig, die Wortwahl genau richtig und die Spannung immer spürbar. Durch die verschiedenen Perspektiven wird das Ereignis im Kern der Geschichte und was dazu geführt hat, wirklich genau beleuchtet und in jeglicher Hinsicht zum Leben erweckt. Die Perspektiven sind alle geprägt von den jeweiligen Personen und so lernt man auch die Charaktere auf eine ganz besondere Art und Weise kennen. Und obwohl die jeweiligen Perspektiven schon sehr viel Preis geben, hat die Geschichte auch im späteren Verlauf noch einige Überraschungen parat.

Insgesamt ist der Roman in drei Teile geteilt: Das Ereignis, die direkten Folgen für den Leidtragenden und das Nachspiel. Der erste Teil wird aus verschiedene Perspektiven erzählt, der zweite nur aus einer, wobei dieser mit Briefen aufgepeppt wird und der dritte wird dann aus Brionys Perspektive erzählt. In diesem dritten Teil erfährt man dann auch noch einige essentielle Hintergründe.

Die Charaktere sind in jeglicher Hinsicht einzigartig und wirklich genial beschrieben. Vor allem die drei Charaktere im Zentrum der Geschichte sind extrem gut ausgearbeitet und unheimlich detailliert beschrieben. Detailreichtum ist generell etwas, das Atonement auszeichnet, wobei die Beschreibungen auch in ausschlaggebenden Szenen niemals ordinär sind. Konkret ist damit gemeint, dass eine Vergewaltigung zwar thematisiert, aber nie explizit beschrieben wird. Die Hinweise sind eindeutig, das Ereignis tragisch, aber durch die implizite Präsentation nicht zu grafisch und blutig.

Atonement ist eine extrem tragische und bewegende Geschichte, die einem auf sehr eindrückliche Weise zeigt, welche enormen Folgen unsere Handlungen haben können. Insgesamt hat mich die Geschichte extrem berührt und auch nachdenklich gestimmt. Es ist ein genial geschriebener Roman, den man meiner Meinung nach zwar nicht zwingend gelesen haben muss, der die Lektüre aber durchaus wert ist. Am Ende kann ich voller Überzeugung eine Leseempfehlung aussprechen.

2 Gedanken zu „Atonement – McEwan

  1. Ich glaube, ich würde eine Verbindung zu Pride and Prejudice auch nur ganz am Anfang sehen… Dieses Ferien- und Familienidyll bei dem die größte Sorge ist, ob das Theaterstück gut ankommt oder nicht… Bis dahin könnte man sich schon in einer Austen Geschichte wähnen… Aber dann wird einem das Idyll ja links und rechts um die Ohren gewatscht. 😉
    Ich fand das Buch auch ganz wunderbar.

  2. Hey,

    ich liebe diesen Roman! Es stimmt, dieses Buch ist extrem tragisch und man verspürt auf jeder Seite eine gewisse Melancholie. Dennoch liebe ich diese Geschichte.
    Sie ist so emotional und Ian McEwan weiß wie man schreibt.

    Außerdem erlebe ich jedes Mal einen Konflikt mit Briony. Einerseits ist sie mir sympathisch und tut mir unendlich leid. Andererseits ist da diese Wut in mir, die ich gegen sie verspüre.

    Liebe Grüße und einen sonnigen Sonntag!
    Janika

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