Lange hatte ich Angst in der Nacht – Ghata

Lange hatte ich Angst in der Nacht – Ghata

Ich bin ein sehr visueller Mensch und bei Lange hatte ich Angst in der Nacht von Yasmine Ghata hat mich das Cover irgendwie magisch angezogen. Auch wenn das Buch dem Klappentext nach eher außerhalb meiner üblichen Genres lag, so habe ich den Sprung ins Ungewisse doch gewagt. Und was für eine Reise es am Ende war. Das heute, also am 26.03.2018, beim Diana Verlag erschienene Buch erzählt eine ungemein tragische Geschichte, die ihre Wurzeln in der Wirklichkeit hat. Weil ich aber nicht das Gefühl habe, mit meiner Zusammenfassung dem Inhalt gerecht zu werden, hier der Klappentext:

Arsènes Kindheit endet an dem Tag, an dem ihm seine Großmutter fortschickt. Ein hastig gepackter Koffer, kein Blick zurück: Für den achtjährigen Jungen beginnt die Flucht von Ruanda nach Europa. Im fernen Paris wächst er heran, findet neue Eltern, geht zur Schule und kommt doch nie an. Bis er der Schriftstellerin Suzanne begegnet, die ihre eigene Heimatlosigkeit in den Augen des Jungen gespiegelt sieht. Endlich bricht Arsène sein Schweigen, und im Erzählen verbinden sich für ihn Vergangenheit und Zukunft. (Quelle: Diana Verlag, Klappentext)

Was damals in Ruanda geschehen ist, war mehr als nur tragisch, auch wenn man das als Europäer gerne mal vergisst, weil uns von Ruanda nicht nur geografisch Welten trennen. Doch durch die Augen des kleinen Arsène geht einem diese Tragöde auf einmal sehr nahe. Durch seine Augen erlebt man das Grauen, den herzzerreißenden Verlust und die beinahe tödliche Flucht. Ein Eindruck, der einem nicht nur wegen der ungewöhnlichen Erzählperspektive wirklich an die Substanz geht. Denn Ghata beschreibt Arsènes Teil der Geschichte in einer „Du“-Perspektive, also mit einem „Schließe die Augen und stellt dir vor dass du…“. Im Kontrast dazu erzählt sie auch die Geschichte von Suzanne, diese allerdings mit der traditionellen Erzählperspektive.

Diese beiden Charaktere treffen, obwohl sie sich in jeglicher Hinsicht von einander unterscheiden, doch irgendwo den selben Ton und ihre beiden Geschichten sind die Hälften einer ganzen, berührenden und einzigartigen Geschichte. Sowohl Arsène als auch Suzanne lernt man im Laufe der Geschichte durch ihre Handlungen sehr gut kennen und man fühlt mit ihnen. Denn auch wenn man sich kaum vorstellen kann, was Arsène durchgemacht hat, so stellt man durch Suzanne und ihre Geschichte doch einen Bezug zu ihm und seiner Reise her.

Im Prinzip bildet Suzannes Teil der Geschichte die Rahmenhandlung und Arsènes Teil die Binnenhandlung, wobei das aufgrund der anachronistischen Ordnung nicht immer ganz so genau festgemacht werden kann. Bedingt durch diese Erzählstruktur gibt es auch keinen wirklichen Spannungsbogen, da man mit dem Umriss der Geschichte ja nach dem Klappentext schon vertraut ist. Hier geht es auch nicht um eine spannende Geschichte, sondern um die besondere Erzählweise. Dieses Spiel mit Sprache und ungewöhnlichen Erzählperspektiven, sowie das Erregen von Mitgefühl und generell Emotionen zeichnen Lange hatte ich Angst in der Nacht wirklich aus.

Und eben aufgrund der herausragenden Sprache kann ich Lange hatte ich Angst in der Nacht empfehlen. Außerdem schadet es sicher nicht, auch mal mit einer etwas anderen Perspektive auf das eigene Leben zu Blicken, den Arsènes Geschichte relativiert doch einiges, muss man ehrlich zugeben.

Lange hatte ich Angst in der Nacht von Yasmine Ghata

Wen dieses ungewöhnliche Buch jetzt neugierig gemacht hat, der kann sich ja mal auf der Verlagsseite näher umsehen.*

Beim Diana Verlag  und dem Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House möchte ich mich herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken.

 

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0 Gedanken zu „Lange hatte ich Angst in der Nacht – Ghata

  1. Guten Morgen! Eine wunderbare Rezension, die sehr neugierig auf das Buch macht. Das Cover ist wirklich wunderschön umd irgendwie auch tragisch, wenn man sich den kleinen Jungen ansieht…

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