[#Writing Friday] Typisch Maja!

[#Writing Friday] Typisch Maja!

Guten Morgen und einen schönen Start ins Wochenende euch allen! Ohne viel rumgefackel, willkommen zum Writing Friday von Elizzy, heute habe ich mir folgenden Prompt auserkoren:

  • Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.

♕♕♕

Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte. Betonung auf hätte. Denn in dem ganzen Chaos dachte natürlich niemand daran. Typisch. Fast so typisch wie Majas elaborierte Lügengeschichten. Glaubt mir, ich mag das Mädchen wirklich nicht, aber das muss ich ihr lassen. Keiner strikt Lügennetze so geschickt wie sie. Auch das aktuelle Netz, das sich gerade voll entfaltet, ist meisterhaft gestrickt und manipuliert alle Beteiligten äußerst erfolgreich. Dazu muss ich sagen, dass die Beteiligten in diesem Fall meine Holzköpfe von Klassenkameraden sind. Wahnsinn, dass sie Majas manipulative Masche nach all den Jahren immer noch nicht durchschaut haben. Eigentlich traurig. Oder amüsant, je nachdem, wie man es sehen möchte.

Der Streit, oder eher die Schlacht, ist auf jeden Fall in vollem Gange und der arme Junglehrer hat bereits kapituliert und sich mit einem Anfall leichter Panik nach seinen kläglich gescheiterten Schlichtversuchen aus dem Klassenzimmer zurückgezogen. Was für eine Flasche. Leute, ich sags euch, ich bin mir nicht sicher, wie die Sache wieder ins Lot gebracht werden soll. Diesmal hat sie es vielleicht zu weit getrieben. Denn inzwischen ist sie im Verbreiten von gefährlichen Halbwahrheiten und unfassbar glaubhaften, aber an den Haaren herbeigezogenen Lügen extrem gut geworden. So gut, dass sämtliche meiner Mitschüler ihr allen Ernstes auf den Leim gegangen sind.

Ich glaube, dass ich die Situation doch erst mal amüsant finden werde. Nur das kleine Bisschen Bewunderung für die Drahtzieherin verbitte ich mir. Dennoch, sie hat die Sache echt gut aufgezogen. Angefangen hat sie damit, Verdacht und Misstrauen zu säen. Gegenüber Melina bracht sie Zweifel an Lisas Rückgrat zum Ausdruck. Lisa erzählte sie, Hannah sei das schwächste Glied und kurz davor, aus der Reihe zu brechen. Bei Anton, dem Redensführer der Jungs, schwärzte sie gleich Melina und Thomas an, wobei sie bei letzterem Richard als den potentiellen Judas darstellte. Und so weiter, und so weiter. Die ganze Klasse hat sie auf diese Weise mit hineingezogen.

Nur mich nicht. Denn ich bin neu hier und mich kann sie noch nicht einschätzen. Und wenn es nach mir geht, wird sich das auch so schnell nicht ändern. Ich halte mich bedeckt, lasse sie ihre Spielchen spielen und warte auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen. Noch ist er nicht gekommen.

Holy Moly, die liefern sichs ja Vollgas und ohne Rücksicht auf Verluste. Das wird kein gutes Ende nehmen, ich sags euch. Vor allem, weil Maja nicht mit ausreichend Sicherheitsabstand das Spektakel genießt, sondern mittendrin steht und noch mehr Öl ins Feuer schüttet. Manchmal frage ich mich, ob sie sowas vorher heimlich übt. Zutrauen würde ich es ihr.

Ich vergrößere erst mal meinen Sicherheitsabstand, soweit es das kleine Klassenzimmer zulässt. Denn lange wird es nicht mehr dauern. In den nächsten Minuten werden sie anrücken. Klassenvorstand, Vertrauenslehrer, Schulpsychologe und vielleicht sogar die Direktorin. Einerseits hoffe ich, dass es nicht so weit kommt, denn mit der Direktorin ist nicht gut Kirschen essen, andererseits denke ich, dass man Maja nach der Aktion in die Schranken weißen und an die Leine nehmen muss. Denn diese Aktion ist brandheiß.

Uuund da sind sie schon. Die gesamte Delegation. Der Junglehrer war schneller als ich dachte. Nach Majas Blick zu urteilen, auch schneller als sie dachte. Ich frag mich ja, wie er so schnell geschafft hat, die Aufmerksamkeit des Drachen zu bekommen. Gerade jetzt passt ihr Codename wie die Faust aufs Auge, denn aus den Nüstern unserer Direktorin sprühen förmlich Funken. Also drücke ich mich schnell weiter in die Ecke und setze meinen besten ängstlichen Ausdruck auf. In solchen Situationen ist es immer gut, die Neue zu sein und das überforderte Frischfleisch zu spielen. Eine Rolle, die ich über die Jahre perfektioniert habe.

„WAS IST HIER LOS???“, brüllt Direktorin Katzenstein, deren böser Blick beinahe tödlich ist. Geschockte Stille breitet sich aus. Niemand hatte das Eintreten der Lehrer bemerkt, so vertieft waren sie in ihr Geschrei. Einigen scheint es schon zu dämmern, dass dies nicht gut für sie enden würde. „Und wehe, einer wagt es ’nichts‘ zu sagen“, stellt der Drache klar. „Ich verlange eine umfassende Erklärung. Sofort. Oder es wird Verweise hageln, das kann ich Ihnen versprechen, meine Damen und Herren.“

Mit dieser Ankündigung rutscht vielen ganz offensichtlich das Herz in die Hose. Stille und Schockstarre halten noch einige Sekunden an, bevor sie von Maja gebrochen werden, die diese Plattform nutzt, um die anderen noch mehr anzustacheln. Ebenso blitzartig wie alle verstummt waren, beginnen sie nun wieder empört zu schreien. Aber, wie man bei uns an der Schule so schön sagt: The Dragon is having none of it. Mit einem Ohrenbetäubenden Pfiff, der sogar die anwesenden Lehrkräfte erschreckt, bringt sie den Raum zum Verstummen.

Sugar Honey Ice Tea. Ihre Augen finden mich in der Ecke. „Frau Evans. Eine Erklärung. SOFORT.“ Ich schlucke und evaluiere meine Situation. Ich habe zwei Optionen: Unwissenheit vortäuschen oder meine Chance nutzen um meine eigene Version der Vorgänge präsentieren ohne danach als Petze dazustehen. Easy peasy lemon squeezy, würde meine ehemalige Englischleherin sagen. Der richtige Moment ist gekommen.

Ich schlucke erneut, um in meiner leicht verängstigten und überforderten Rolle zu bleiben und überlege, ob ein leichtes Stottern meiner Glaubwürdigkeit zu- oder abträglich wäre. Der erste Satz ist einfach. Ich sehe sofort, dass mir die Erwachsenen aus der Hand fressen. Die Rolle des Unschuldslammes liegt mir einfach. Während ich meinen Klassenkameraden einen beinahe ängstlichen Blick zuwerfe und erneut schlucke, erzähle ich stockend meine Version der Vorfälle. Eine Version, die meine Klassenkameraden entlastet. Alle, bis auf eine. Denn jede gute Story braucht einen Bösewicht. Und Maja ist in meiner Darstellung der Dinge eine würdige Konkurrentin für Malefiz und Ursula. Alles ihre Idee. Alles ihre Schuld.

Die Anerkennung in den Augen meiner Kollegen sagt mir, dass sie meine Version der Geschichte unterstützen und bestätigen werden. Die blinde Wut in Majas Augen sagt mir, dass ich gewonnen habe. Damit habe ich sie nicht nur von ihrem Thron gestoßen, sondern sie auch noch ihrer Untertanen beraubt und dem Drachen ausgeliefert.

The queen is dead. Long live the queen.

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0 Gedanken zu „[#Writing Friday] Typisch Maja!

  1. Liebe Smarty, ich mag ja deinen Schreibstil sehr und einige Wortspiele hier fand ich ja herrlich! Die Geschichte ist auch wirklich sehr spannend und ich bin ja schon neugierig was diese Maja wohl alles für Lügen aufgetischt hat! Ein tolles Setting aus dem man bestimmt ein ganzes Buch hätte machen können 😀 besonders die Direktorin habe ich mir jetzt tatsächlich mit einem Drachenkopf vorgestellt 😀

    Hab ein tolles Wochenende <3

  2. Deine Geschichte ist echt toll! Ist es seltsam, wenn es mich an meine eigene Schulzeit erinnert? 😀 Gut, dass diesmal das intrigante Mädel den Kürzeren gezogen hat – so, wie es eigentlich immer sein sollte. 😉
    Liebste Grüße,
    Ida

  3. Irgendwie hat es mich an meine Tochter ihre Klasse erinnert, da gibt es auch ein Mädel was ständig manipuliert, und das jetzt schon in der 4.Klasse.

    Deine Geschichte ist super geschrieben. Ich frage mich was Maja alles erzählt hat – da hoff ich innerlich irgendwie auf eine Fortsetzung. ☺️

    Liebe Grüße
    Suse ☺️

  4. Dankeschön für das Kompliment, das freut mich wirklich sehr 🙂
    Da mir das Schreiben selbst mega viel Spaß gemacht hat, kann es gut sein, dass ich eine weitere Geschichte in dem Setting schreibe 😉
    Haha, sehr gut, dann hab ich mein Ziel ja erreicht 😀

    Alles Liebe und eine tolle Woche <3

  5. Klingt ja nicht so nett :/

    Dankeschön, freut mich sehr, dass sie dir gefallen hat 🙂 Mir selbst hat das Schreiben unheimlich Spaß gemacht und ich ziehe eine Fortsetzung durchaus in Betracht 😉

    Alles Liebe,
    Smarty

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