Die geliehene Schuld – Winter

Die geliehene Schuld – Winter

Unsere Vergangenheit macht uns zu dem, was wir sind. Als Menschen und als Land. Und kaum ein Land wurde wohl so von seiner Vergangenheit beeinflusst wie Deutschland Anfang der 1950er Jahre. Der Krieg war verloren, viele Teile des Landes nach wie vor besetzt und viele Kriegsverbrecher noch immer auf freiem Fuß. Genau in dieser Übergangszeit spielt Claire Winters Geschichte Die geliehene Schuld. Der historische Roman, der am 5. März 2018 beim Diana Verlag erschienen ist, erzählt die Geschichte einer Journalistin, die durch den Unfall eines Freundes in ein Netzt dunkler Machenschaften hineingezogen wird.

Diese Journalistin heißt Vera Lessing und möchte den Krieg und alles, was damit zusammenhängt, am liebsten einfach nur vergessen und hinter sich lassen. Doch dann erhält sie eine Nachricht aus dem Grab. Ihr Freund Jonatahn hatte ihr kurz vor seinem tragischen Unfall einen Brief geschickt, der alles verändert. Obwohl Vera Angst hat, ist sie wild entschlossen, Jonathans Mörder zu finden und wird dabei in seine Arbeit hineingezogen. Worauf sie sich damit eingelassen hat, wird ihr erst klar, als es fast zu spät ist.

Die geliehene Schuld ist ein Roman in den ich extrem schnell hineingefunden habe und der mich von Anfang an fasziniert hat. Ich weiß nicht, ob es am Cover oder dem Klappentext lag, aber irgendwas hat eindeutig den richtigen Ton getroffen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, was ihr eine ungemeine Tiefe verleiht und dem Leser Einblicke in alle Aspekte des Plots bietet. Die geliehene Schuld hat aus einem chronologischen Sichtpunkt keine lineare Erzählstruktur, da nicht nur zwischen Personen, sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart gesprungen wird. Und das äußerst effektiv. Denn obwohl diese lineare Ordnung fehlt, ist man als Leser zu keinem Zeitpunkt verloren. Es ist immer klar, warum hier in die Vergangenheit gesprungen wird und Erkenntnisse der Vergangenheit haben außerdem einen Einfluss auf die Gegenwart.

Eben diese gezielten Sprünge zwischen Personen und Zeiten machten Die geliehene Schuld zu einer dynamischen Geschichte mit mindestens genauso dynamischen Charakteren. Vor allem Vera, die im Verlauf ins Zentrum der Geschichte rückt, ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Wie angemerkt wird, obwohl, oder gerade weil sie Angst hat, nimmt sie die Ermittlungen auf und lässt sich nicht abschütteln. Denn das schuldet sie Jonathan, ihrem besten Freund, der ihr in allen Lebenslagen beistand. Aber auch die anderen Charaktere beeindrucken. Eben durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven bekommt man ein sehr gutes Gespür für jeden Charakter.

Obwohl gleich am Anfang ziemlich viel passiert, braucht die Geschichte doch ein klein wenig Anlauf, oder, um genau zu sein, braucht Vera ihn, denn erst wenn sie die Spur aufnimmt, geht es richtig los. Durch die aufklärenden Rückblicke kommt eine angenehme Geschwindigkeit und ein solider Spannungsbogen zu Stande. Ab einem gewissen Punkt gibt es jedoch kein Halten mehr – was ja an sich nichts Schlechtes ist. Dass diese Zunahme der Geschwindigkeit dann auch noch perfekt zur Geschichte passt, ist lobenswert und erklärt (vielleicht), warum ich das Buch einfach nicht mehr weglegen konnte und 400 Seiten an einem Nachmittag gelesen habe.

Alles in allem ist Die geliehene Schuld eine schöne, wie tragische Geschichte. Schon alleine das Setting sollte so viel verraten. Winter schafft es wirklich, durch die Erzählperspektiven die verschiedenen Nuancen ihrer Geschichte hervorzuheben und wie Vera, versucht der Leser die Puzzleteile zusammenzusetzen. Wer also einen mysteriösen und unheimlich spannenden historischen Roman mit einer starken Hauptfigur und einer wundervoll arrangierten Geschichte lesen möchte, der liegt bei Die geliehene Schuld goldrichtig. Die geliehene Schuld von Claire Winter

 

Wer sich diese besondere Geschichte um Journalismus, Freundschaft, Verschwörung und Vergangenheit auf keinen Fall entgehen lassen möchte, der kann das Buch auf der Verlagsseite  oder bei Thalia kaufen.

Für dieses Rezensionsexemplar möchte ich mich herzlich beim Diana Verlag und dem Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House bedanken.

0 Gedanken zu „Die geliehene Schuld – Winter

  1. Guten Morgen Smarty,

    da ist ja das gute Stück, das dich so in dem Bann geschlagen hat. 😉 Es klingt spannend, obwohl ich nicht so der historische Leser bin. Versteh mich nicht falsch, auch bei mir stehen historischee Romane im Regal, allerdings zeitlich viel früher angesiedelt. Ich bin nicht so der Kriegs- und Nachkriegsbuchfan. Die Bücher die ich dazu gelesen habe und noch lesen möchte verlangen von mir immer einiges ab, sodass ich mir das meist sehr genau überlege. 😊

    Dennoch, tolle Rezension!

    Liebe Grüße
    Ella ❤

    1. Huhu 🙂
      Ja, das hat es allerdings und natürlich hast du Recht, normalerweise sind historische Romane weiter in der Vergangenheit angesiedelt, aber für mich ist alles, was in der Vergangenheit spielt mehr oder weniger ein historischer Roman 😀
      Kann ich verstehen, denn es ist nicht immer eine leichte Thematik und das kommt auch in diesem Buch klar rüber. Mich hat vor allem diese Skrupellosigkeit schockiert, die definitiv nicht nur fiktiv ist.

      Liebe Grüße,
      Smarty <3

  2. Hallo Smarty,
    ich bin gerade im letzten Leseabschnitt des Romans und bin absolut begeistert! Aber ich muss zugeben, dass ich schon die beiden anderen Bücher von Claire Winter verschlungen habe. „Die geliehen Schuld“ hat jedoch ein ganz anderes Thema und zeigt die Besonderheit der Autorin.
    Liebe Grüße
    Martina

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