Fire and Fury

Fire and Fury

Eigentlich muss man dieses Buch nach den Furoren, für welche es in den internationalen Medien gesorgt hat, kaum noch näher vorstellen: Fire and Fury. Das große Enthüllungsbuch über Präsident Trump. So vehement wie Trump versucht hat, die Veröffentlichung dieses Buches zu verhindern, könnte man meinen, es sei voll mit schockierenden Enthüllungen. Man könnte meinen, es sei der letzte Nagel im Sarg seiner skandalösen Präsidentschaft. Naja.

Gleich vorne weg, ja, ich weiß um die dubiosen Umstände der Entstehung. Ich bin mir der Kontroversen um den Autoren Michael Wolff bewusst. Und das sollte man beim Lesen dieses Buches auch nie vergessen. An wem der Skandal um die Entstehung dieses Buches vorbeigegangen ist, hier eine kurze Auffrischung: Wolff hatte bei der Recherche keine Skrupel. Man sagt, viele wussten nicht, dass oder für was sie interviewt wurden. Wolff kann nicht immer klar belegen, woher die Information stammt und auch konkrete Beweise sucht man vergeblich. Kurzum, nicht gerade die feine, englische Art. Darum: take it with a pinch of salt. (Wer mehr über die dubiosen Hintergründe von Fire and Fury erfahren möchte, der sollte sich diesen Artikel des Tagesspiegels näher ansehen.)

Und nun zur eigentlichen Rezension. Mein Resümee: Selbst wenn nur die Hälfte dieser Erzählung der Wahrheit entspricht, ist es schon tragisch genug. Dabei muss man auch sagen, sie angekündigten bahnbrechenden Enthüllungen bleiben aus. Mehr oder weniger. Denn die meisten „Fakten“ konnte man zu diversen Zeitpunkten den Medien entnehmen. Und die überraschenden Enthüllungen, jene Trumps persönliche Motivationen betreffend, sollte man aufgrund der mangelnden Beweise bis zu einem gewissen Punkt anzweifeln, so plausibel sie auch scheinen möchten.

Also, der Inhalt ist irgendwo zwischen amüsant, schockierend und informativ, wenn man ihn denn für bare Münze nimmt. Die Form, also der Stil des fragwürdigen Autoren, hinterlassen allerdings einen schalen Nachgeschmack. Der Stil erinnert an Trump. Die Typos, Rechtschreibfehler und andere Ungenauigkeiten sind der Glaubhaftigkeit mehr als nur abträglich. Insgesamt war es eine mühsame Lektüre, die allzu sehr an eine von Trumps wirren Reden erinnert. Redundant, ungenau, unzusammenhängend.

Mein Fazit? Zwischen der unseriösen Entstehung, dem katastrophalen Stil und den wenig spektakulären Enthüllungen, definitiv kein Muss. Verfolgt man US-amerikanische Nachrichten (und POTUS auf Twitter) ist man etwa auf dem gleichen Informationsstand, nur ohne den Klatsch und Tratsch und die ach so tiefgründigen Einblicke in den Alltag des Weißen Hauses. Wer weiß, vielleicht liest sich die deutsche Übersetzung zumindest besser, aber auf englisch ist es schlicht und einfach ein mühsames Buch. Warum Trump das Erscheinen dieses (Tratsch-)Romanes unbedingt verhindern wollte, ist mir schleierhaft, denn dass er kein guter Präsident ist und das Weiße Haus von Dilettanten geführt wird, war auch vorher schon klar.

0 Gedanken zu „Fire and Fury

  1. Oh je, das klingt doch eher so, als wollte der Autor eher auf den Trump-Zug aufspringen und einen schnellen Dollar machen als wirklich fundiert Fake News enttarnen und Hintergründe beleuchten. Wie schade. Das Buch spare ich mir lieber, danke für die Warnung 😉

    LG Gabi

    1. Manchmal hatte ich schon so das Gefühl, ja.
      Um wirklich irgendetwas beleuchten zu können, müsste man auch demnach Arbeiten und das hat der Autor eindeutig nicht. Vieles mag schon wahr sein, aber Qualitätsjournalismus schaut anders aus.

      Liebe Grüße,
      Smarty

  2. Huhu!

    Als ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe, habe ich mir noch tatsächlich Enthüllungen versprochen und war dann doch enttäuscht, als ich so nach und nach mehr darüber hörte… Dann gucke ich doch lieber weiter die „Daily Show“ mit Trevor Noah, da erfahre ich wahrscheinlich noch mehr Fakten über Trump! (Und ich liebe die Sendung.) 😉

    In Trumps Twitter-Account schaue ich regelmäßig rein und frage mich immer, wo der Mann eigentlich die Zeit hernimmt…

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

    1. Ja, irgendwie haben sich die schockierenden Enthüllungen in Grenzen gehalten und ich bin mir sicher, dass du mit der Daily Show bestens up to date gehalten wirst 😀

      Wenn man sich seine Arbeitszeit anschaut, ist das nicht weiter verwunderlich 😉

      Vielen Dank für die Verlinkung <3

  3. Hallo,

    jetzt schaffe ich endlich den Gegenbesuch.
    Wie du weißt habe ich eine etwas andere Meinung zu dem Buch, aber ich finde deine Rezension dennoch gelungen. Die Kritikpunkte, die du ansprichst kann ich durchaus verstehen, und ich denke auch, dass das Buch von den Medien zu sehr gehypt wurde. Du hast vollkommen Recht, dass die großen Enthüllungen beim Lesen ausgeblieben sind.

    Liebe Grüße
    Elisa

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