[#WritingFriday] Entscheidungen

[#WritingFriday] Entscheidungen

Elizzys Writing Friday ist eine wundervolle Aktion, um sich schreibtechnisch etwas mehr auszutoben, etwas neues dazuzulernen und sich auszuprobieren. Meinen ersten Beitrag findet ihr hier und nun folgt direkt der zweite zu folgendem Prompt:

Erzähle von einem Moment, der den weiteren Verlauf deines Lebens fundamental hätte verändern können.

***

Dass ich ein Scheidungskind bin werden viele von euch vielleicht nicht wissen, weil es nicht unbedingt etwas ist, das ich oft erzähle. Denn es war keine nette, freundschaftliche, ordentliche Scheidung. Es war alles, nur das nicht. Meine Mutter wollte sich scheiden lassen. Meine Mutter wollte ein neues Leben anfangen. Meine Mutter wollte nochmal durchstarten. Ihr merkt schon, von ihr kam nur „Ich. Ich. Ich. ICH.“ Meinem Vater hat sie damit ohne Ankündigung den Teppich unter den Füßen weggerissen und mir ebenso. Sicher, die Ehe meiner Eltern war nicht perfekt, aber ich hatte doch immer den Eindruck, dass sie glücklich waren.

Ohne hier jetzt zu sehr aus dem Nähkästchen zu plaudern, nur ein paar Hintergrunddetails, bevor wir zur wichtigsten Entscheidung meines Lebens kommen. Damals war ich gerade 14 geworden, ich hatte nur noch ein, zwei Monate bis zum Abschluss der Unterstufe. In anderen Worten, außer leichtem Schulstress, großer Aufregung und etwas kindlichem Liebeskummer hatte ich damals eigentlich nur wenige Sorgen. Das sollte sich schlagartig ändern, denn meine Kindheit war zu Ende.

Die Katze war aus dem Sack und es wurde schmutzig. Schmutzig und unendlich schmerzhaft. Und er rückte immer näher, der Moment der Entscheidung, die eigentlich von Anfang an getroffen war. In einem McDonalds außerhalb der Stadt fand er dann statt, denn zu Hause hing der Haussegen mehr als nur schief, normale Kommunikation war schon lange nicht mehr möglich. Viel war vorgefallen. Viel Unschönes.

Sie stellte mir die Frage, um den heißen Brei herumredend, scheinheilig. Die Antwort hat ihr nicht gefallen, auch wenn ich es ihr durch die Blume gesagt habe. Ich würde bei meinem Vater bleiben und nicht bei ihr. Hat sie ernsthaft erwartet, ich würde ihr die ganze Sauerei vergeben und mir einen Platz in ihrem „neuen Leben“ erbetteln? Dass ich in ihrem neuen Plan nicht vorgesehen war, ist mir vom ersten Moment an klar gewesen. Damals hab ich es ihr als rationale Entscheidung verkauft, da sie schlicht nicht die Mitteln hatte, dass ich nicht verstand, wie sie überhaupt noch in den Spiegel schauen konnte, habe ich ihr nicht gesagt. Genausowenig wie die Tatsache, dass ich ihren Anblick kaum noch ertragen konnte und jede Sekunde eine Qual für mich war.

Das war ohne jede Frage, die wichtigste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe. Das ist eine Entscheidung, die mich bis heute prägt. Das ist eine Entscheidung, die ich bis heute nicht ein einziges Mal bereut habe.

Mit ihr zu gehen, wäre nicht nur mein Ruin gewesen, sondern auch der meines Vaters. Mit ihr zu gehen, hätte nicht nur mein Herz gebrochen, sondern auch das meines Vaters. Mit ihr zu gehen, ist bis heute etwas, dass ich mir beileibe nicht vorstellen kann.

Ihr sollt wissen, dass ich schon vor Jahren den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen habe. Denn nach alledem, auf heile Welt zu machen, war etwas, zu dem ich nicht im Stande war und es bis heute nicht bin. Ich bereue keine Sekunde.

***

 

0 Gedanken zu „[#WritingFriday] Entscheidungen

  1. Hallo, meine Liebe!
    Eine sehr schwere Entscheidung, die du da treffen musstest – aber es freut mich, dass du sie nie bereut hast. Ich kann solche Situationen immer nur sehr schwer verstehen, da ich aus einer Art „Bilderbuchfamilie“ komme – aber ich bewundere alle, die heil durch solche Situationen kommen, egal wie schwer sie sind.

    Liebste Grüße!
    Gabriela

    1. Ich würde es eher als eine harte Entscheidung bezeichnen, da sie mit nicht unbedingt schwergefallen ist, sonder einfach nur weitreichende Folgen hatte.
      Ich kann nur sagen, sei froh und sei dankbar für deine Familie.

      Alles Liebe <3

  2. Hallo, Liebes!
    Das kann nicht leicht gewesen, das aufzuschreiben. Auch wenn es sehr schön ausformuliert ist. (Oder gerade deswegen?) Danke, dass du das mit uns geteilt hast. 🤗
    LG, m

  3. Hallo <3 Du kannst sehr stolz auf dich sein, nicht jeder kann mit 14 solche schwerwiegenden Entscheidungen treffen und umso mehr freut es mich für dich war es die Richtige!
    Vielen Dank fürs teilen, dieses wichtigen Momentes in deinem Leben <3

    1. Huhu 🙂
      Ich hatte dabei nicht wirklich eine Wahl, die Entscheidung musste getroffen werden und in vielerlei Hinsicht habe es mir meine Mutter mit ihren Verhalten unabsichtlich leicht gemacht.

      Alles Liebe <3

  4. Eine wirklich schwere Entscheidung – ich kann es mir kaum vorstellen – da meine Eltern jetzt 42 Jahre verheiratet sind – nicht immer glücklich – aber sie sind ein Team. Aber mein Mann hat den Kontakt zu seinem Vater abgebrochen, da er ihn immer nur betrogen hat. Er bereut es auch nicht. Und das ist das wichtigste. Dein Herz sagt, dir was richtig ist und das hat es.
    LG

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