Die Zeit der Rose

Die Zeit der Rose

England hat Europa mit der industriellen Revolution in ein neues Zeitalter geführt und die Zukunft maßgeblich beeinflusst. 1862 war diese Revolution schon in vollem Gange und hat auch die Isle of Wight erreicht, das kleine Paradies, das Heather Cooper für das Setting ihres Debütromans Die Zeit der Rose auserkoren hat. Erschienen ist ihr Erstling am 20.11.2017 beim Goldmann Verlag und glücklicherweise hat er am selben Tag den Weg zu mir gefunden, wo er direkt gierig verschlungen wurde.

Die Zeit der Rose handelt von der Geschichte Evelines, deren Mutter sie dringlichst verheiraten möchte. Doch Heirat steht auf Evelines Liste nicht wirklich an erster Stelle, da sich das altmodische Konzept kaum mit ihrer modernen Gesinnung vereinen lässt. Eveline sehnt sich nach Freiheit und nach Abenteuern, zwei Dinge, die einer anständigen Lady selbstredend nicht zustehen. Das hält Eveline jedoch nicht davon ab, offen ihre Meinung zu sagen, sehr zum Missfallen ihrer Mutter, und ihren eigenen Weg zu gehen.

Direkt am Anfang hat mich diese Geschichte sehr an zwei meiner Lieblingsbücher erinnert, nämlich Pride and Prejudice und North and South. Alle drei Bücher haben eine willensstarke und moderne Protagonistin, die den Leser in den Bann zieht und sich nicht von der Gesellschaft vorschreiben lässt, was sie zu tun hat. Weiter als das ging die Ähnlichkeit jedoch nicht, da Die Zeit der Rose eine andere Richtung einschlägt. Trotz der vergleichbaren Umstände der Protagonistin, ist Evelines Geschichte nicht mit der von Elizabeth Bennet oder Margareth Hale zu vergleichen.

Auch wenn viele Charaktere anfangs wirken als wären sie einem klassischen Novel of Manners entsprungen, so findet doch eine Charakterentwicklung und eine gewisse Modernisierung der Ideale statt. Vor allem an der Veränderung der Werte erkennt man den modernen Einfluss, der eine wirkliche Bereicherung für diese Geschichte ist. Was eine altbackene Liebesgeschichte hätte sein können, ist die Geschichte einer starken Frau, die auf eigenen Beinen stehen will, ihr Leben in die Hand nimmt und ihre Familie von ihren Idealen überzeugt. Dabei gibt es in der Geschichte zwar schon einige wenige flache Charaktere, doch diese eignen sich wunderbar als Kontrastmittel und betonen diverse Charakterentwicklungen.

Eveline steht im Zentrum der Geschichte, doch auch ihre zwei älteren Schwestern, ihre Tante und sogar ihre Mutter tragen einen wichtigen Teil bei. Wie die meisten Charaktere, ist Eveline wirklich sympathisch und bildet sich nichts auf ihren Stand ein, was aus damaliger Sicht zwar skandalös, aus heutiger jedoch erfrischend ist. Der Plot schreitet in einem angenehmen Tempo voran und hält die ein oder andere unerwartete Wendung bereit. Allgemein wirkt die Erzählung rund und stimmig, lediglich das Ende macht einen leicht gehetzten Eindruck. Es ist kein schlechtes Ende, absolut nicht, es passt sogar sehr gut zur Geschichte, doch mir ist es ein wenig zu offen, wenn man die Strenge der damaligen Konventionen bedenkt. Sprich, auch wenn es ein schönes Ende ist, wäre es vielleicht effektiver gewesen, es etwas zeitgemäßer zu gestalten.

Alles in allem habe ich die Lektüre wirklich genossen und das Buch auch dementsprechend schnell verschlungen – in weniger als 12 Stunden, um genau zu sein. Es ist eine oberflächlich leichte Geschichte mit überraschend Tiefgang, die einen vor allem über die Rolle der Frau reflektieren lässt. Im Grunde kann ich dieses toll geschriebene und lesenswerte Buch nur empfehlen und hoffen, dass wir alle unsere Wege mit derselben Entschlossenheit gehen wie Eveline, Elizabeth und Margareth.

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Wer sich nach einem klassisch englischen Setting und einer leicht nostalgischen Geschichte mit einer starken Protagonistin sehnt, der sollte sich Die Zeit der Rose auf jeden Fall näher ansehen und kann dies auf der Verlagsseite oder auf Amazon tun.

Ich möchte mich beim Goldmann Verlag und dem Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House herzlich für dieses exquisite Rezensionsexemplar bedanken.

0 Gedanken zu „Die Zeit der Rose

      1. Jaaa!!! 😍 Ich finde ja, daß Elizabeth Gaskell in Deutschland viel zu wenig bekannt ist. Sie hat eine wunderbare Mischung aus Liebesgeschichte a la Jane Austen und schafft es dabei noch sozialikritisch wie Charles Dickens zu sein. Warum kennt diese Frau kaum jemand?!? 😱

        1. Ist in Österreich auch nicht besser, außer man studiert Englisch, so wie ich, dann hört man von ihr im Zuge der Literaturgeschichte (Industrial Novel/Social Novel). Das erklärt nämlich auch, warum ihr Roman sowohl an Austen als auch an Dickens erinnert.
          Kann nur zustimmen, sehr schade, dass ihre Bücher nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen.

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