Die Farbe von Winterkirschen

Die Farbe von Winterkirschen

Die Vergangenheit mag zwar abgeschlossen sein, das bedeutet aber nicht, dass wir auch mit ihr fertig sind, denn oftmals hat sie einen größeren Einfluss auf unser Leben, als wir denken. Vergangenes spielt definitiv in Jackie Copletons Die Farbe von Winterkirschen eine entscheidende Rolle. Der herzzerreißende Roman ist am 13.11.2017 beim Limes Verlag erschienen und erzählt die Geschichte einer Überlebenden aus Nagasaki, die eines Tages Besuch bekommt. Besuch von einem Mann, der behauptet ihr totgeglaubter Enkel zu sein.

Amaterasu Takahashi und ihr Ehemann Kenzo haben die Atombombe auf Nagasaki überlebt. Leider waren ihre Tochter Yuko und ihr Enkel Hideo nicht so glücklich. Haben die zwei zumindest angenommen, als sie in den Jahren nach der Katastrophe nach Amerika ausgewandert sind, um der Hoffnungslosigkeit zu entkommen. Nun, viele Jahre später, steht ein Fremder vor Amaterasus Tür und behauptet, Hideo zu sein, Beweise habe er außer der Aussagen seiner Adoptiveltern jedoch keine. Er überreicht Amaterasu einen Brief und ein Paket seiner Adoptivmutter, womit eine Reise in die Vergangenheit beginnt.

Und genau von dieser Reise in die Vergangenheit erzählt dieses Buch, aber auch die Geschehnisse der Gegenhart, vor allem Amaterasus Hadern mit der Vergangenheit, werden erzählt. Schon am Anfang wird einem schwer ums Herz, da man von Anfang an weiß, was den meisten Charakteren des Buches widerfahren war. Das macht das Lesen nicht immer einfach, obwohl es eine wirklich schön erzählte, wenn auch tragische, Geschichte ist.

Zu Beginn jedes Kapitels wird ein wichtiger Begriff der japanischen Kultur erklärt, der meist im Kapitel eine gewisse Rolle spielt. Wie schon erwähnt, gibt es in dieser Erzählung mehrere Zeitstufen, die jedoch in keiner bestimmten Reihenfolge erzählt werden. keine Reihenfolge in dem Sinne, dass man nicht mit dem am längsten Vergangenen beginnt und sich dann näher zur Gegenwart vorarbeitet. Die verschiedenen Kapitel sind einmal länger vergangen, manches mal kürzer, willkürlich angeordnet sind sie aber definitiv nicht.

Mit ihrer meisterhaften Anordnung erzielt Copleton eine äußerst effektive Spannung und schafft es, trotz unvermeidlicher Ereignisse, viele Sachverhalte, man könnte auch Geheimnisse dazu sagen, erst gegen Ende des Buches aufzuklären. Dadurch bleibt das Lesen spannend und man sieht bereits Erzähltes häufig in einem anderen Licht, sobald man gewisse Informationen erhält. Und auch wenn man manches erahnt oder befürchtet, hat man die Wahrheit am Ende doch nicht erraten.

Alleine schon wegen des Settings und der Thematik wäre dies eine sehr emotionale Geschichte, gemeinsam mit den Charakteren ist sie deshalb umso bewegender. Die Charaktere und die Orte sind mit viel Liebe zum Detail beschrieben, nur manches Mal wirken die Beschreibungen etwas langatmig und ich persönlich hätte ein direkteres Voranschreiten der Geschichte bevorzugt. Wobei man auch argumentieren könnte, dass eben jene Verzögerung gewollt ist, um den Stillstand in Amaterasus Leben nochmal zu verdeutlichen.

Die Farbe von Winterkirschen ist eine unheimlich bewegende Geschichte, die einen faszinierenden Einblick in die japanische Kultur ermöglicht und die tragischen Folgen des 9. Augusts 1945 nur zu klar darstellt. An diesem Tag wurden viele Leben zerstört, unter anderem das von Amaterasu Takahashi.

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Auch wenn die eigenen geschichtlichen Kenntnisse eventuell schon etwas eingerostet sind, kann man dieses Buch genießen und so vielleicht etwas von der Vergangenheit lernen. Die Farbe von Winterkirschen kann man auf der Verlagsseite oder auf Amazon bestellen.

Herzlich bedanken für dieses Rezensionsexemplar möchte ich mich beim Limes Verlag und dem Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House.

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