Das weiße Feld

Das weiße Feld

Bücher zum Ende der österreichischen k.& k. Monarchie, zum Zweiten Weltkrieg, der Nachkriegszeit und dem Aufstieg und Fall des Kommunismus gibt es wie Sand am Meer (glaubt mir, als Österreicherin weiß man das), jedoch kaum eines wie Das weiße Feld von Lenka Hornakova-Civade. Das Buch ist Mitte September beim Blessing Verlag erschienen und aus dem Französischen übersetzt, da die Autorin gebürtig aus der ehemaligen Provinz Mähren ist und erst mit 20 nach Frankreich ausgewandert ist.

Das Buch erzählt die Geschichte von drei Generationen einer Familie: Magdalena, ihre Tochter Libusa und deren Tochter Eva. Das besondere an diesen Frauen ist, dass sie alle dasselbe Schicksal teilen, denn alle drei wachsen in diesen schwierigen Zeiten ohne Vater auf. Für die Sünden ihrer Mütter werden alle drei als Bastarde gebrandmarkt, wobei sie das nicht davon abhält, ihr Leben mit einem unbändigen Freiheitswillen zu bestreiten. Sie stehen ein für ihre Entscheidungen und die ihrer Mütter, sie lassen sich nicht unterkriegen und halten immer den Kopf hoch.

Eine absolut faszinierende Geschichte über unfassbar starke Frauen, die ihren Weg mit einer beeindruckenden Unbeirrtheit beschreiten. Das Buch ist dabei in drei Abschnitte gegliedert, einer für jede der Frauen. Interessant sind hierbei sowohl die Parallelen in den Geschichten als auch die frappierenden Unterschiede. Gemeinsam haben alle Generationen dieser Familie einen unbändigen Überlebenswillen, der sie auch die härtesten Schläge einstecken lässt. Und glaubt mir, die Geschichte hat heftige Stolpersteine parat und das erhoffte Happy End bleibt, wie könnte es anders sein, offen, wenn nicht sogar aus.

Vor allem im ersten Teil, also in Magdalenas Geschichte, hat mich die Erzählung und das Thema sehr an Franz Innerhofers Schöne Tage erinnert, wobei diese Ähnlichkeit sich im Verlauf dann verliert. Ich habe etwas gebraucht um in die Geschichte reinzufinden, was aber auch daran liegen mag, dass ich nicht genug Zeit hatte, um mich wirklich hinzusetzen und mehr als ein nur paar Seiten auf einmal zu lesen. Als ich dann jedoch meinen Rhythmus gefunden hatte, kam ich wesentlich schneller voran und konnte das Buch am Ende gar nicht mehr aus der Hand legen.

Was die Geschichte unheimlich lebendig macht, ist der ich-Erzähler, wodurch einem gewisse Szenen noch mehr unter die Haut gehen, als sie es bei einer neutraleren Erzählperspektive ohnehin schon tun würden. Diese Erzählperspektive macht die Geschichte aber auch persönlicher und herzzerreißender, denn man fühlt mit den Frauen. Wobei ich sagen muss, dass zumindest ein grundsätzliches Wissen der damaligen Zustände auf jeden Fall hilfreich ist, da man Entscheidungen und Geschehnisse dadurch besser versteht. Vieles wird zwar erklärt, doch manche Aussagen werden auch einfach im Raum stehen gelassen, was ihnen natürlich eine besondere Wirkung verleiht, wenn man denn die Hintergründe kennt.

Das weiße Feld erzählt eine einzigartige Geschichte, die einem die tragischen Zustände der Vergangenheit nur allzu deutlich aufzeigt und einen gleichzeitig die Gegenwart mehr schätzen lässt. Sicher, das non plus ultra haben wir auch heute noch nicht erreicht, doch der Fortschritt lässt sich nicht leugnen und muss, wie dieses Buch in gewisser Weise demonstriert, auf jeden Fall erhalten werden. Das weiße Feld bietet starke Frauen, harte Umstände und ein ernüchterndes Bild der damaligen Zeit. Und auch wenn es teilweise einen richtigen Kloß im Hals verursacht, kann ich nur eine riesige Leseempfehlung aussprechen.

9783896675828_CoverWer genauso fasziniert ist wie ich, als ich die Beschreibung das erste Mal gelesen habe, kann Das weiße Feld auf der Verlagsseite oder auf Amazon bestellen.

Ich möchte mich beim Blessing Verlag und dem Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House für dieses Rezensionsexemplar bedanken.

0 Gedanken zu „Das weiße Feld

  1. Auf der einen Seite sind Bücher, die in der Vergangenheit spielen eher weniger mein Fall (es sei denn, es handelt sich um einen Klassiker.) Auf der anderen Seite mag ich Geschichten über starke Frauen. Eine Zwickmühle also – lesen oder nicht lesen?! Das Buch kommt erst einmal auf meine Vielleicht-Liste. LG, Kaat 🙂

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